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Eröffnungsanzeige von 1808 im "Marburger Anzeiger"Die Unkels sind die älteste Optiker-Familie in Deutschland. Denn vor mehr als 200 Jahren – im November 1808 – begann Engelhard Unkel als Opticus am Lahntor (heute steht dort das Landgrafenhaus) und legte damit den Grundstein für eine lange Familientradition.

Gerhard Unkel an der alten Schleifbank200 Jahre später sitzt 2008 wieder ein Unkel (Senior Gerhard Unkel) an der Original Schleifbank, die gut erhalten im optischen Museum in Jena zu sehen ist. Heute gibt es in der Familie Unkel sechs ausgebildete Optiker, davon sind drei Meister – auch das dürfte einmalig in Deutschland sein.

Engelhard Unkel wichtigstes Werkzeug war die handgetriebene Schleifbank, denn Engelhard schliff die Linsenoberfläche noch selbst. Er verarbeitete sie zu Lupen, baute Fernrohre damit und formte sie passend für Brillen. Auch die Brillengestelle z.B. aus gepresstem Kuhhorn fertigte er in seiner Werkstatt. Bleistiftskizze aus den AnfängenSein fachliches Können und handwerkliches Geschick wurde weit über Marburgs Grenzen hinaus geschätzt. Er setzte sich erfolgreich gegen umherziehende Brillen-Hausierer zur Wehr, die mit unsauber gepressten Billig-Linsen die Leute täuschten; in manchen Fällen sogar Analphabeten glauben machten, mit den billigen Brillen sogar lesen zu könnten. In Engelhard Unkels Geschäftsbuch findet man bekannte Namen, die ihm ihr Vertrauen schenkten.

Albertus Unkel (1858-1900)Sein Sohn Albertus Unkel übernahm 1858, nach dem Tod des Vaters, das Geschäft. In seiner Zeit vollzieht sich der wirtschaftliche Wandel zur industriellen Fertigung auch für Brillengläser und Fassungen. Der Bedarf und die Produktion steigen, deshalb zieht er 1867 mit seinem Geschäft in sein neues Haus Neustadt 17, es befindet sich direkt neben dem heutigen Stammsitz Unkel.
Albertus Unkel erkennt mit Weitblick die Notwendigkeit von Zusammenschlüssen und wird 1861 Mitbegründer des Marburger Vorschussvereins – der Vorgängerin der Marburger Volksbank.
Die Marburger Institute und Kliniken bedienen sich immer öfters seines handwerklichen Talents, und manch schwieriger Sonderwunsch von den Professoren und Kliniken wird von dem geschickten Opticus erfüllt.

Heinrich Unkel in seiner Werkstatt (1900-1935)Heinrich Unkel erhält in auswärtigen Betrieben eine gründliche optisch-feinmechanische Ausbildung und führt den väterlichen Betrieb erfolgreich weiter. Die Räume reichen nicht mehr aus und er kauft das größere Nachbarhaus Neustadt 18. Dabei lässt er es komplett umbauen und sanieren. 1908 schmückt er die Straßenfront mit Holzschnitzereien des Marburger Bildhauers Theophil Bosch, die liebevoll restauriert, noch heute sehr gut erhaltenen sind.
Die Weiterentwicklung in der Optik zu den Punktal-Gläsern (bis zum Rand scharf abbildende Brillengläser) setzen hohe Anforderungen an das fachliche Können. Heinrich ist einer der Ersten, die bei Zeiss in Jena ihr Wissen auf Fortbildungslehrgängen erweitern, um den Menschen zu besserem Sehen zu verhelfen.

Friedrich Unkel (1935-1972)1932 tritt sein Sohn Friedrich Unkel als Teilhaber in das Geschäft ein. Bestens ausgebildet als Diplom-Optiker, und nach Geschäftsführer-Tätigkeiten in Leipzig und Nürnberg, arbeitet er in Marburg erfolgreich weiter. 1954 kauft er das Nachbarhaus Nr. 20, das 1961 komplett erneuert und mit dem Stammhaus Nr. 18 vereinigt wird. In der optischen Industrie werden, gestützt auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, eine Vielfalt neuer Gläser entwickelt; vor allem mit unterschiedlichen Stärken für Ferne und Nähe.

100 Jahre Unkel (1908)Von seinen Söhnen entscheiden sich zwei für die Optiker-Laufbahn. Einen zieht es nach Norddeutschland. Sohn Gerhard Unkel kehrt, nach mehrjähriger Tätigkeit in den USA und München, als 5. Generation 1970 zurück an die Lahn. Mittlerweile verheiratet und als staatlich geprüfter Augenoptikermeister ausgebildet, übernimmt er 1973 die Verantwortung und alleinige Führung des väterlichen Geschäfts. Das Brillen Sortiment hatte sich erheblich vergrößert und die Kunden waren wählerischer geworden. Gerhard Unkel erkannte frühzeitig den Trend. 1974 war Unkel eines der ersten Optik-Geschäfte in Deutschland mit großzügiger Brillen-Vorauswahl. Die Zahl der zufriedenen Kunden wuchs. 1977 folgte an der Ecke Deutschhaus-Biegenstraße das zweite Optik-Geschäft und in späteren Jahren kam noch ein Drittes hinzu. Zwei von seinen drei Kindern, Sohn Jörg und Tochter Heike erlernten das Optiker-Handwerk. War die Nachfolge gesichert?

Schleifköpfe und Schleifschalen für optische Linsen aus Engelhard Unkels WekstattWas weitgehend unbekannt blieb: Gerhard Unkel musste bei seinem Start in Marburg erhebliche Belastungen übernehmen. So etwa die Auszahlung an 6 Geschwister und eine sehr hohe lebenslange Versorgungsrente an die Eltern. Diese Verpflichtungen – sie ist heute nach 35 Jahren noch zu erbringen – konnte und wollte er nicht auf eines seiner Kinder übertragen. Deshalb entschied er sich 1996 für den Verkauf seiner Geschäfte an einen Fuldaer Optiker.

Nach wenigen Jahren gab es von dem einstigen Marktführer Unkel mit drei Geschäften und 15 tüchtigen Mitarbeitern nur noch eine Zweigstelle mit drei Mitarbeitern und einer Aushilfe.

Jörg UnkelDie Optiker-Familien-Tradition erblühte trotzdem wieder: mit der 6. Generation. Sohn Jörg, gelernter Optiker, studierte erfolgreich Betriebswirtschaft und heiratete mit Annette eine Augenoptiker-Meisterin. Sie bezog die ehemalige Unkel Filiale Ecke Deutschhaus- Biegenstraße, baute um und eröffnete 2002 ihr erstes Geschäft „UNKEL der Optiker“.

Der Fuldaer Nachfolger verließ vorzeitig die Unkel‘schen Geschäftsräume in der Oberstadt und machte damit den Weg frei für einen Umbau des historischen Stammhauses. Annette Unkel feierte darin 2007 die Eröffnung Ihres 2. Geschäftes.

Annette Unkel beim Dienst am KundenDie Brille hat einen weiteren Wandel durchlaufen, sie ist heute nicht nur moderne Sehhilfe, sondern Ausdruck der eigener Persönlichkeit. Die hohen Sehanforderungen in Beruf und Verkehr setzen neue Maßstäbe, die nur mit Fachkompetenz, handwerklichem Geschick und Präzisionsmaschinen erfüllt werden können. Umfassendes Fachwissen und entsprechende Erfahrung ist dabei die Essenz des heutigen Optikerberufes. Die exakte Messung und Feststellung der besten Brillenglasstärke sind für höchsten Sehkomfort essenziell. Nicht nur für eine komfortable Brille, sondern auch für gut angepasste Kontaktlinsen. Für diese Qualität steht “Unkel der Optiker” auch im Jahre 2009.

Was vor 200 Jahren Engelhardt Unkel beherzigte, hat im Laufe der Zeit nicht an Bedeutung verloren: Sparsames Wirtschaften, Fleiß, Fachkompetenz, präzise Handwerksleistung und eine gute Beratung sind die Voraussetzungen für zufriedene Kunden. Jörg und Annette Unkel leben dies nun in der 6. Generation, sind durch Seminare, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen stets auf dem neuesten Stand des Optikerhandwerks. Von diesem Fachwissen profitieren die Kunden von Unkel dem Optiker heute – und legen so vielleicht den Grundstein für eine weitere Generation der ältesten Optikerfamilie Deutschlands.

Familie Unkel

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